Pooja Balai

Pooja ist am 04. März 1995 geboren und stammt aus einer sehr armen Hindufamilie. Sie wohnt zusammen mit ihrer Mutter, einem Bruder und einer Schwester in einer kleinen Hütte im indischen Bundesstaat Rajasthan in der Nähe der Stadt Jaipur. In ihrer Hütte, gibt es keinen Strom, kein Wasser und nicht einmal die einfachsten hygienschen Einrichtungen, wie z.B. eine Toilette.

Pooja geht in die Grundschule. Ihr Lieblingsfach ist Hindi. In ihrer Freizeit, die knapp bemessen ist, spielt sie gerne. Ansonsten ist sie für das Trinkwasser verantwortlich. Jeden Abend muß sie es von einem Brunnen holen.

Der Vater ist vor einiger Zeit gestorben und die ganze Last liegt alleine bei der Mutter. Für indische Verhältnisse ist dies sehr schwierig. Sie arbeitet als Tagelöhnerin, um die Familie einigermaßen durchzubringen.

Ein Besuch beim Patenkind

Seit fünf Jahren hintereinander haben wir unseren Jahresurlaub in Indien verbracht. In diesem Jahr haben wir u.a. den Bundesstaat Orissa in Ostindien bereist. Der Höhepunkt unserer Reise aber sollte der Besuch bei unserem Patenkind Pooja in Rajasthan /Nordwestindien sein.

Doch der Reihe nach.

Kurz vor unserer Abreise nach Indien haben wir uns mit dem CCF Büro in Nürtingen in Verbindung gesetzt und unseren Besuch beim Patenkind angekündigt.Von dort aus wurde das Hauptbüro in Indien über unser Vorhaben informiert und kurze Zeit später erhielten wir eine e-mail vom Grand Chetna Kendra Projekt / CCF aus der Nähe von Jaipur, wo unser Patenkind mit seiner Familie lebt. In dieser e-mail waren viele nützliche Tipps und eine Wegbeschreibung zum Projekt. Man bot uns auch, uns an von Delhi oder Jaipur abzuholen.
Gegen Ende unserer Reise fuhren wir mit dem Zug von Puri über Bodhgaya, Varanasi nach Jaipur. Für diese ca. 2600 km lange Fahrt benötigten wir drei Tage.
In Jaipur angekommen setzten wir uns am nächsten Tag mit dem Grand Chetna Kendra Projekt telefonisch in Verbindung. Man freute sich schon sehr auf unseren Besuch und erklärte uns nochmals den Weg.

unser Hotel in Jaipur

Stadtmitte Jaipur

Für die 60 km lange Fahrt bestellten wir ein Taxi und erklärten dem Taxifahrer den Weg. Das war allerdings leichter gesagt als getan. Der Fahrer verstand nicht so recht unsere Erklärungen. Daraufhin telefonierten wir nochmals mit dem Projekt und der Taxi-Fahrer erhielt persönlich die Beschreibung. Viele Leser werden sich jetzt fragen: „Das kann doch nicht so schwer sein?” Doch, denn man muss wissen, dass es in Indien fast nirgendwo Wegweiser gibt und die Orientierung sehr schwer fällt. Selbst unser Taxifahrer musste trotz Wegbeschreibung unterwegs mehrmals nach dem Weg fragen.

Für die Fahrt brauchten wir 2 Stunden. Die Fahrt ging aus Jaipur heraus Richtung Nordwesten. Je weiter wir uns von Jaipur entfernten, desto schmaler wurden die Straßen und die Gegend wurde sehr ländlich. Wir fuhren durch einige kleine Dörfer und durch weite Felder in Richtung der Wüste Thar.

Die Straße teilten wir mit erhabenen Kamelen, die mit Karren die unterschiedlichsten Güter beförderten, mit hupenden Lastwagen, die an uns vorbeirauschten, mit Esel- und Ochsenkarren und natürlich mit Fahrradfahren, Fußgängern und den heiligen Kühen Indiens.

Kühe haben Vorfahrt

Kamele nicht unbedingt

Noch einmal links und dann rechts und schon waren wir auf dem Hof des Grand Chetna Kendra Projekts. Unser Herz schlug natürlich höher, denn wir waren gespannt, was uns wohl erwarten würde.
Wir hatten einige Jahre zuvor schon Projekte von CCF in Indonesien und Thailand besucht.

Als das Taxi vorfuhr, kamen alle aus ihren Büros und begrüßten die Gäste aus Deutschland. Das Gepäck wurde ausgeladen und in das neu errichtete Gästehaus gebracht, das für einige Tage unsere Unterkunft sein sollte.

Der Projektleiter und weitere Mitarbeiter begrüßten uns aufs Herzlichste und erklärten uns den Zusammenhang zwischen GCK und CCF. Demnach leitet GCK seit 1995 mit Unterstützung von CCF ein Familienaufbauprogramm. Des Weiteren werden von GCK die unterschiedlichsten Landwirtschafts- und Gesundheitsprojekte durchgeführt. Bei den Aufgaben von GCK und CCF gibt es viele Überschneidungen. Beide Organisationen arbeiten Hand in Hand, so dass eine enge Verzahnung stattfindet.
Dann wurden uns die Büros von und die weiteren Räumlichkeiten gezeigt. Zurzeit fand auf dem Gelände ein Meeting der Kindergärtnerinnen statt. Natürlich wurden wir auch ihnen vorgestellt und man hatte viele Fragen an uns und wir auch an sie.

Gram Chetna Kendra Projekt und CCF Projekt

Zahltag bei den Kindergärtnerinnen

Nach einem traditionellen Mittagessen, Dal (Linsensuppe) und Chapati (Brotfladen) fuhren wir dann mit Herrn Tiwari (von CCF) zu unserem Patenkind Pooja, das nicht weit vom Projekt lebt. Dort wurden wir bereits von der Familie und den Nachbarn der Familie erwartet. Man konnte sehen, dass alle ihre besten Kleider angelegt hatten.

Verschüchtert kam Pooja auf uns zu und schenkte uns ein selbst gemaltes Bild. Danach wurden wir von der Mutter, den beiden Geschwistern und den Großeltern willkommen geheißen. Poojas Vater kam vor einigen Jahren nach einem Verkehrsunfall ums Leben.
Draußen vor dem Haus wurde uns Tee und Rettich gereicht. Dann überreichten wir ein kleines Geschenk und zeigten ein Fotoalbum mit Bildern aus Deutschland von unserem täglichen Leben. Neugierig streckten alle die Hälse nach den Fotos. Die Familie und die Nachbarn hatten besonders viel Spaß an unserem Haus mit dem vielen Schnee auf dem Dach. Beim Zeigen der Bilder war der Bann gebrochen und wir hatten sehr viel Spaß.
Dann wurden uns das Haus, die Ziegen und die Kuh, und die Felder gezeigt. Auch die Nachbarn zeigten uns ihre Felder. Zurzeit werden hier besonders viele Senfsaaten angebaut.
Nach einem herrlichen Nachmittag kehrten wir zum Projekt zurück. Dort zeigte man uns noch die Verwaltungsaufgaben und wie die Briefe der Paten übersetzt werden.
Am späten Nachmittag trafen wir Poojas Familie noch einmal. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag zu einem Einkaufsbummel.

Am Abend besuchten wir noch einige Familien in ihren Hütten, die vor einigen Jahren noch als Nomaden lebten und sich ihren Unterhalt als Bettler verdienten. Dank der Unterstützung durch GCK wurden sie sesshaft gemacht und die Kinder gehen zur Schule. Jetzt verdienen diese Familien ihren Unterhalt durch den Anbau von Gemüse und Getreide. Die Frauen besticken traditionelle Tücher und stellen Schmuck, wie z.B. Bindis her, das sind kleine Plättchen, die sich die Frauen auf die Stirn kleben.

Schlafraum der Familie

Familienfoto

Pooja`s Tante in der Küche

Pooja mit ihrer jüngeren Schwester

Am nächsten Tag hatten wir ein volles Programm. Wir besuchten Einrichtungen und Projekte, die von GCK unterstützt werden. Zuerst fuhren wir zu einer großen Wasserstelle am Rande der Wüste. Diese Wasserstelle dient zum Tränken der Tiere. Durch dieses Projekt konnten hier 500 Familien angesiedelt.
Dann besuchten wir ein kleines Dorf, wo ein Brunnen gebaut worden war. Hier wird das Regenwasser von den Dächern der Häuser aufgefangen und dem Brunnen zugeführt.
Der Besuch von zwei Kindergärten stand auch auf dem Programm. Die Kinder sangen und tanzten für uns.
Danach zeigte uns Herr Tiwari eine Kompostierungsanlage. Anfallender Kuhdung, der nicht zur Befeuerung des Herdes benötigt wird, wird in kleinen Kompostierungsanlagen mit Würmern versetzt und in 30 Tagen hat man den fertigen Kompost. Dieser Kompost ersetzt zu hundert Prozent den Kunstdünger. Auf Vergleichsflächen hat man nachgewiesen, dass mit kompostgedüngten Feldern der gleiche Ertrag erzielt wird, als auf einer Fläche, die mit Kunstdünger gedüngt wurde. Das spart natürlich viel Geld und Pestizide
Zurzeit werden auch Darlehen an Familien vergeben, die ein kleines „Logistik Unternehmen“ eröffnen möchten. Diese Darlehen werden für den Kauf eines Kamels samt Karren zur Verfügung gestellt. Mit dem Gespann wird das geerntete Gemüse zu den Märkten gefahren. Mit dem erwirtschafteten Geld muss das Darlehen abbezahlt werden.

Im GCK Projekt wird die Devise Hilfe zur Selbsthilfe sehr groß geschrieben. Denn wer sich selber helfen kann, braucht irgendwann keine Unterstützung mehr.

Gegen Mittag stand dann der Einkauf mit der Familie auf dem Programm.
Zur nächst größeren Stadt sind es 20 km. Dort kaufen wir mit der Familie Bekleidung ein. Jeder erhielt eine komplett neue Ausstattung. Pooja bekam zusätzlich eine neue Schuluniform. Für die Familie war das ein wertvolles Geschenk. Für uns schlug es mit 18 Euro zu Buche.
Außerdem wurden noch Bonbons, Plätzchen und Knabbereien für die Familie eingekauft, denn Inder lieben Süßigkeiten. Und die Freude in Poojas Augen war das schönste Geschenk für uns.

Projektarbeit vor Ort

So verbrachten wir einige herrliche Tage im Projekt. Vor allem die Abende in der Küche am warmen Ofen mit dem leckeren Essen und den Mitarbeitern von GCK und CCF mit den vielen Gesprächen werden wird nicht so schnell vergessen. Wir haben mal wieder viele nette Menschen kennen gelernt.
Das Projekt Gram Chetna Kendra freut sich über jeden Besuch von Paten, egal wie lange sie bleiben wollen. Auch die Mithilfe im Projekt wird gerne gesehen, ob als Krankenschwester, Kindergärtner/in, Lehrer/in, oder einfach nur zur Unterstützung der täglichen Arbeit im Projekt.

Auf Wiedersehen

Namaste