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“Gegenseitige Duldung ist eine Notwendigkeit für alle Zeiten und alle Rassen. Duldung erfordert nicht, dass ich das, was ich dulde, auch billige.” |
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Zum dritten Mal sind wir nun in Indien gewesen und wir müssen sagen, Indien ist immer eine Reise wert. Dieses Mal haben wir den Norden und den Osten Indiens bereist. Am 26. Januar, dem Tag der Republik, ein Nationalfeiertag in Indien, sind wir in Delhi angekommen. Vom Flughafen sind wir direkt mit dem Bus zum Bahnhof nach New Delhi gefahren |
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Der Goldene Tempel von Amritsar ist nach dem Taj Mahal das wohl bekannteste Bauwerk Indiens und das Heiligtum der Sikhs. |
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Der Goldene Tempel wird in Indien Hari Mandir genannt. Im Tempel, der in einem Teich gelegen und über einen Steg zu erreichen ist, wird über Tag das Adi Granth unter einem juwelenbedeckten Tuch aufbewahrt. Das Adi Granth ist das
heilige Buch der Sikhs und mit unserer Bibel gleichzusetzen. Neben dem heiligen Buch sitzen die Ragis, die hochverehrten Sänger, die pausenlos aus dem heiligen Buch rezitieren. Über Lautsprecher sind die Gesänge auf dem ganzen
Gelände zu hören. Eine einzigartige, friedvolle und fromme Atmosphäre herrscht hier. Auf Bildern haben wir den Goldenen Tempel schon oft gesehen, aber wenn man durch den großen Eingang, der von einem Sikh mit einem Schwert
bewacht wird, zum ersten Mal auf den Goldenen Tempel schaut, so kann man das mit Worten gar nicht beschreiben. Im Tempelbezirk gibt es ein Gebäude mit mehreren Speisesälen, wo am Tag bis zu 20.000 Pilger und Besucher kostenlos verpflegt werden. Vor dem Treppenaufgang erhält man zunächst einen Edelstahlteller, einen Löffel und einen Trinkbecher. Im Speisesaal setzt man sich im Schneidersitz mit den anderen Pilgern in einer langen Reihe auf den
Boden und stellt das Geschirr vor sich ab. Gegenüber sitzt wieder eine Reihe Pilger mit dem Gesicht zu uns gewandt auf dem Boden. |
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Nach zwei Tagen ging es mit der Eisenbahn nach Pathankot und weiter mit dem Bus nach Dharamsala, dem Sitz der Exilregierung des Dalai Lama. Eigentlich ist es irreführend von einem Dharamsala zu sprechen, da sich dahinter doch zwei verschiedene Städte verbergen. Einmal ist da Dharamsala auf 1250 m Höhe und zu anderen Mc Leod Ganj auf 1900 m Höhe. Mc Leod Ganj ist ein heiterer und friedvoller, an einem Berghang gelegener Ort und Sitz des Dalai Lamas. Das Zentrum des Ortes bildet ein buddhistischer Tempel. Überall flattern die
bunten Gebetsfahnen im Wind und auf den Straßen begegnet man fast ausschließlich Tibetern, die hier im Exil leben. Auch die in rot gekleideten Mönche sind hier zahlreich vertreten, da es in Mc Leod Ganj auch einige Klöster gibt. Mancher Urlauber, der nur ein paar Tage bleiben wollte, blieb Wochen und sogar Monate. Mc Leod Ganj ist wirklich ein friedvoller Ort und hat mit dem hektischen Indien nicht viel gemeinsam. Wir haben im Drepung Loseling Guest House gewohnt, das von Mönchen geleitet wird. Wir hatten dort ein kleines sauberes Zimmer mit Bad und einer großen Dachterrasse. In Mc Leod Ganj sind wir spät nachmittags angekommen und hatten von der Umgebung noch nicht viel gesehen. Als wir am Morgen unsere Zimmertür zur Dachterrasse öffneten, hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf die
scheinbar zum Anfassen nahe liegenden schneebedeckten Berge. Eine wundervolle Aussicht. |
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Die Erdnüsse Als wir durch einen dichten Wald gingen erspähte uns eine Affenfamilie und ruckzuck war Irmgard mit ihrer Erdnusstüte von den Affen umzingelt. Verscheuchen half nicht. Auf einmal wurde Irmgard von einem Riesenaffen angesprungen und die Tüte war futsch. Ich hörte nur noch einen lauten Schrei, da ich schon einige Meter vorausgegangen war. Den Schrecken konnte man Irmgard noch lange ansehen. Sollte es für heute genug gewesen sein? Zurück ging's über eine grüne Wiese mit etlichen Enten und Gänsen darauf. Und siehe da: eine Gans kam herangewatschelt und zwickte Irmgard ins Bein. Wer's verdient hat, der hat es auch verdient. |
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Und weiter ging es. Eine Mördertour war angesagt. Von Manali nach Rishikesh. Gesamtfahrzeit 15 Stunden. Zunächst ging es mit dem Bus über Chandigarh nach Haridwar und dann weiter nach Rishikesh. In Rishikesh und an den anderen Pilgerorten, wie z. B. Varanasi sagt man nicht hallo, sondern schlicht und einfach Hari Om. Nach so viel Spiritualität und friedvollen Gesichtern haben wir uns nach Delhi aufgemacht, um uns dort mit Zugfahrkarten einzudecken. An anderen Orten ist es manchmal schwierig, das begehrte Ticket zu erlangen, denn die Züge sind oftmals Wochen im voraus ausgebucht und eine Touristenquote gibt es nicht überall. |
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Kauf einer Zugfahrkarte. Erzähle ich meinen Freunden, dass ich in Indien eine Zugfahrkarte gekauft habe, so denken sie, dass ich einfach zum Schalter gehe und mir eine Fahrkarte kaufe. Aber so einfach geht das nicht. Anhand eines Beispiels vom Bahnhof in New Delhi erkläre ich das Prozedere. Der Schalter für Ausländer im Bahnhof von New Delhi befindet sich in der ersten Etage. Geht man durch die große Bahnhofshalle wird man schon von vielen "freundlichen Menschen" angesprochen, die nur eines wollen, nämlich meine Rupees. Mit so aussagekräftigen Sätzen wie: "You want ticket. Reservation-Office is here. Reservation-Office upstairs is closed. Ticket only at this counter." wollen die Schlepper einen ins Reisebüro schleppen und sahnen dafür kräftig ab. Also nicht beirren lassen und ab in die erste Etage. Dort gibt es einige Schalter für Touristen, wo man sich schnell eine Fahrkarte ausstellen lassen kann. Aber Eile mit Weile. Zunächst einmal im "Trains at a Glance" (Zugfahrplan) nachschauen, welche Züge überhaupt in Frage kommen. Zuerst einmal muss erst einmal ein Formular ausgefüllt werden. Dann muss der Name des Zuges, die Zugnummer, das Reisedatum, Anzahl der Personen, die Klasse und die Namen der Reisenden mit Alter und Geschlecht eingetragen werden. Außerdem muss noch die Reisepassnummer und die Heimatanschrift eingetragen werden. Mit diesem Formular stellt man sich jetzt an den richtigen Schalter an. Aber aufgepasst. An einigen Schaltern muss man in US Dollar bezahlen und an anderen in Landeswährung. Hat man sich richtig angestellt, dauert es nicht lange und schon hat man seine Tickets. Auch Tickets, die man nicht mehr gebraucht, können gegen eine kleine Gebühr zurückgegeben werden. Wir wollten unsere Tickets, die wir in Rishikesh gekauft haben zurückgeben. Die freundliche Angestellte sagte uns aber, dass das nicht so einfach ginge, denn die Tickets stammten nicht aus einem Touristenkontingent. Die Tickets könnten wir nur am Reservation-Office einige hundert Meter vom Bahnhof entfernt umtauschen. Und das heißt endlose Schlangen und lange Wartezeiten. Wir fragten die Dame nach einer anderen Lösung unseres Problems, denn Indien wäre nicht Indien, wenn es nicht doch noch eine andere Möglichkeit gäbe. Freundlich sagte die Dame am Schalter, dass gegenüber der Chef sitzen würde. Er könne die Zugfahrkarte abzeichnen und danach könne sie uns das Geld auszahlen. Also nix wie hin. Der Chef mit großer Brille sah uns gelangweilt an. Ohne etwas zu sagen zeichnete er die Zugfahrkarte ab und wir bekamen am Schalter unser Geld. So geht es auch. |
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Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Zug von Delhi nach Gwalior. Orchha teilt das Schicksal manch anderer Stadt, die sozusagen im Windschatten der großen Sehenswürdigkeiten liegen und deshalb nur äußerst selten von Touristen besucht werden. Orchha ist ein kleines verträumtes mittelalterliches Städtchen mit einigen sehr schönen Palästen. |
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Ein weiterer Höhepunkt sollte Khajuraho für uns werden. Aber wir waren ein bisschen enttäuscht von dieser Stadt. Eigentlich genügt es wenn man sich die westliche Tempelgruppe anschaut. Die anderen Tempel liegen zwar etwas verstreut, sind aber zu Fuß an einem Vormittag alle zu erreichen. Die westliche Tempelgruppe liegt in einem schönen Park. |
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Bekannt sind die Tempel wegen der vielen erotischen filigranen Skulpturen, die in Sandstein gemeißelt sind. Um die erotischen Skulpturen an den Außenwänden zu entdecken, muss man schon genau hinschauen. In Khajuraho hatten wir schnell alles abgegrast und es ging weiter mit dem Zug nach Varanasi, wo wir schon vor zwei Jahren waren. |
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Morgens um 04:00 h sind wir in Varanasi Junction, einem der drei großen Bahnhöfe Varanasis angekommen. Mit der Fahrradrikshaw haben wir uns zum Dasaswamedh Ghat bringen lassen. Für die 30 minütige Fahrt haben wir 25 Rupees gezahlt. Ein gut ausgehandelter Preis. Am Ghat haben wir auf den Sonnenaufgang gewartet und uns die frommen Pilger angeschaut, die schon morgens im Ganges gebadet haben. Ein frommer Brahmanen-Priester hat uns erst einmal verscheucht, da wir auf seinem angestammten
Platz saßen. |
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Eine Busfahrt, die ist lustig. In den Bussen ist immer allerhand los. Die begehrtesten Sitze sind immer vorne. Während der Fahrt werden kleine Jungen ans offene Fenster gestellt, die dann während der Fahrt aus dem Bus pinkeln. Andere reißen schnell das Fenster auf, beugen sich über einem hinweg und übergeben sich während der Fahrt. Andere wieder übergeben sich einfach im Bus. Doch dann werden die Passagiere und der Busschaffner sauer. Der Schaffner pfeift auf seiner Pfeife und der Busfahrer hält an. Dann muss derjenige, dem das Missgeschick passiert ist, aus dem Bus. Wenig später kommt er wieder und streut mit ein paar Händen Sand den Boden des Busses ab und schon geht die Fahrt weiter. Ach ja, wo wir einmal beim Übergeben sind. Eine kleiner Junge saß bei seinem Vater auf dem Schoß. Neben ihm saß eine ziemlich wohlhabenden Dame. Zwischen Vater und Dame stand die vollgepackte Tasche der Dame. Während der Fahrt musste sich der kleine Junge übergeben und in seiner großen Not kotzte der auf gut deutsch gesagt einfach in die Tasche der Dame, was sie allerdings wenig lustig fand. Nach zahlreichen Beschimpfungen und wilden Handzeichen kehrte aber nach kurzer Zeit der Frieden wieder ein. |
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Bod Zunächst fuhren wir von Varanasi nach Gaya. In Gaya wollten wir uns für die Nacht ein Hotelzimmer suchen, denn von der nächtlichen Weiterfahrt zum 16 km entfernten Bodhgaya
wird abgeraten, da es immer wieder nachts zu Überfällen im Staat Bihar kommt. Also haben wir die Hotels abgeklappert und nach einer billigen Unterkunft gesucht. Zum erstenmal auf
dieser Reise war es uns nicht möglich, ein Hotelzimmer zu finden und so haben wir mit mulmigem Gefühl eine Autorikshaw bestiegen und sind durch die menschenleere Nacht mit
vollem Tempo nach Bodhgaya gerauscht. Dort mussten wir feststellen, dass der ganze Ort dunkel war und schon alles fest am schlafen war. Mit einiger Mühe konnten wir den Besitzer
des Guesthouse OM aufwecken und uns dort einquartieren. Das Guesthouse war eine sehr ordentliche Unterkunft mit einem recht freundlichem Besitzer, der uns sehr umsorgte. |
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Nochmals standen 10 Stunden Eisenbahnfahrt auf dem Programm, um nach Kalkutta zu gelangen. Kalkutta sollte die letzte Station unserer diesjährigen Reise sein, bevor es mit dem Rajdhani Express ihn 17 Stunden nach Delhi zurückging und von dort mit dem Flugzeug über Dubai nach Düsseldorf. Über Kalkutta hört man nichts Gutes. Es soll schmutzig, überbevölkert und eine dahinsterbende Stadt sein. Mit Delhi gehört Kalkutta zu den sieben Städten der Welt mit der höchsten Luftverschmutzung. Ein Tag in Kalkutta ist so, als wenn man 17 Zigaretten rauchen würde. Kalkutta ist aber auch lebenslustig und viele sagen, was heute in Kalkutta gedacht wird, wird morgen im übrigen Indien getan.
Kalkutta! Kalkutta besitzt als einzige Stadt in Indien eine U-Bahn, die Fahrt für 5 Rupees, und so ist es leicht, alle Sehenswürdigkeiten zu erreichen. |
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Ein fast verlängerter Urlaub! Besuchszeiten im Ordenshaus von 15:00 - 18:00 h. Wir waren um 14:45 h an der Pforte, wo schon einige andere Traveller warteten.
Wir verneinten und ließen durchblicken, dass wir uns nur das Ordenshaus anschauen wollten. Auch das war kein Problem. Wir bekamen Fotoalben vorgelegt und erhielten die Möglichkeit ein Kinderheim zu besuchen. Alle Achtung vor denjenigen, die einige Zeit hier arbeiten. Freiwillig kann man im Sterbehospiz, im Kinderheim, im Heim für Behinderte, in der Schule oder außerhalb Kalkuttas in der Lepra Station arbeiten. Eine gute Kondition und Ausdauer gehören schon dazu. |
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Auch diese Reise wird uns lange in Erinnerung bleiben und wir werden von den gewonnenen Eindrücken lange zehren. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir auf der Sonnenseite unseres Planeten leben. Hoffentlich hat es Spaß gemacht, diesen Bericht zu lesen. Vielleicht kam ein wenig Fernweh auf. Irmgard und Hans-Jürgen |
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