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“Gegenseitige Duldung ist eine Notwendigkeit für alle Zeiten und alle Rassen. Duldung erfordert nicht, dass ich das, was ich dulde, auch billige.”            

    MAHATMA GANDHI

Die indische Währungseinheit ist die  Rupee, die in 100 Paisa unterteilt wird.  Umtauschkurs im Jahre 2002:
1 Euro            =   41.60 Rp.
1 US-Dollar   =   47.60 Rp.


Zum dritten Mal sind wir nun in Indien gewesen und wir müssen sagen,  Indien ist  immer eine Reise wert. Dieses Mal haben wir den Norden und den Osten Indiens  bereist. Auf unserem Programm standen die Städte:indienzug
Amritsar, Dharamsala, Manali, Rishikesh, Delhi, Gwalior, Orchha, Khajuraho, Varanasi, Bodhgaya und Kalkutta. Für eine vierwöchige Reise ein volles Programm.Am 26. Januar, dem Tag der Republik, ein Nationalfeiertag in Indien, sind wir in Delhi angekommen. Vom Flughafen sind wir direkt mit dem Bus zum Bahnhof nach New Delhi gefahren
und haben uns noch für den gleichen Abend ein Zugticket nach Amritsar besorgt.
Mit dem Mumbai Amritsar Golden Temple Mail sind wir in gut 10 Stunden nach Amritsar gefahren und am nächsten Morgen dort angekommen. In Bahnhofs- nähe war schnell ein Quartier gefunden und  voller  Spannung haben wir uns zum Goldenen Tempel aufgemacht.

Der Goldene Tempel von Amritsar ist nach dem Taj Mahal das wohl bekannteste Bauwerk Indiens und das Heiligtum der Sikhs.
Wer kennt sie nicht die freundlichen Sikhs mit ihren bunten Turbanen. Jeder Sikh heißt mit zweitem Namen Singh. Die Sikhs machen  zwei Prozent der indischen Bevölkerung aus und  zählen zu den wohlhabenden Menschen in Indien .Leider ist Amritsar selbst weniger sehenswert und so kann man sich voll auf den Goldenen Tempel und einige andere Sehenswürdigkeiten beschränken.

Der Goldene Tempel von Amritsar

Nur mit Kopfbedeckung in den
Tempel

Abendstimmung in Amritsar

Der Goldene Tempel wird in Indien Hari Mandir genannt. Im Tempel, der in einem Teich gelegen und über einen Steg zu erreichen ist, wird über Tag das Adi Granth unter einem juwelenbedeckten Tuch aufbewahrt. Das Adi Granth ist das heilige Buch der Sikhs und mit unserer Bibel gleichzusetzen. Neben dem heiligen Buch sitzen die Ragis, die hochverehrten Sänger, die pausenlos aus dem heiligen Buch rezitieren. Über Lautsprecher sind die Gesänge auf dem ganzen Gelände zu hören. Eine einzigartige, friedvolle und fromme Atmosphäre herrscht hier. Auf Bildern haben wir den Goldenen Tempel schon oft gesehen, aber wenn man durch den großen Eingang, der von einem Sikh mit einem Schwert bewacht wird, zum ersten  Mal auf den Goldenen Tempel schaut, so kann man das mit Worten gar nicht beschreiben.
Nachdem der Tempel ausgiebig besichtigt wurde und wir uns mit vielen Sikhs unterhalten hatten, denn  die Inder sind nämlich sehr neugierig,  meldete sich der Hunger zu Wort.
Im Tempelbezirk gibt es ein Gebäude mit mehreren Speisesälen, wo am Tag bis zu 20.000 Pilger und Besucher kostenlos verpflegt werden.
Vor dem Treppenaufgang erhält man zunächst einen Edelstahlteller, einen Löffel  und einen Trinkbecher. Im Speisesaal setzt man sich  im Schneidersitz mit den anderen Pilgern in einer langen Reihe auf den Boden und stellt das Geschirr vor sich ab. Gegenüber sitzt wieder eine Reihe Pilger mit dem Gesicht zu uns gewandt auf dem Boden. Dann geht alles sehr zügig. Aus großen Zinkeimern wird das Essen zügig ausgeteilt. Jeder erhält warmen süßen Reis, schwarze Linsen und ein Chutney. Dazu gibt es Fladenbrot. Nach dem Austeilen der Speisen schreitet ein Vorbeter durch die Reihen der Pilger und singt im Wechsel mit ihnen. Hat der Vorbeter die eigene Reihe, in der man sich niedergelassen hat, verlassen, kann gegessen werden. Ich muß sagen, das Essen war vorzüglich.
Wer kennt nicht die Szene aus dem Film "Gandhi" wo auf einem übervölkerten Platz 400 Menschen erschossen und über 1000 verwundet wurden. Viele Menschen sprangen aus lauter Verzweiflung in den dortigen Brunnen und starben ebenfalls. Das Massaker richtete ein General mit seinen 150 Soldaten am 13.April 1919 an. Dieser Platz mit dem Namen Jallianwala Bagh liegt nur einige hundert Meter versteckt neben dem Goldenen Tempel und ist durch eine kleine unscheinbare Gasse zu erreichen. Der Platz, an dem das Massaker stattfand, ist zu einem Park mit einem kleinen Museum umgebaut worden. Im Museum hängen Bilder von Zeitzeugen. Darunter ist die Geschichte der abgebildeten Personen beschrieben. Selbst der Brunnen ist noch vorhanden. An den Hauswänden sind noch die Einschusslöcher der Gewehrkugeln zu erkennen.


Nach zwei Tagen ging es mit der Eisenbahn nach Pathankot und weiter mit dem Bus nach Dharamsala, dem Sitz der Exilregierung des Dalai Lama. Eigentlich ist es irreführend von einem Dharamsala zu sprechen, da sich dahinter doch zwei verschiedene Städte verbergen. Einmal ist da  Dharamsala auf 1250 m Höhe und zu anderen Mc Leod Ganj auf 1900 m Höhe. Mc Leod Ganj ist ein heiterer und friedvoller, an einem Berghang gelegener Ort und Sitz des Dalai Lamas. Das Zentrum des Ortes bildet ein buddhistischer Tempel. Überall flattern die bunten Gebetsfahnen im Wind und auf den Straßen begegnet man fast ausschließlich Tibetern, die hier im Exil leben. Auch die in rot gekleideten Mönche sind hier zahlreich vertreten , da es in Mc Leod Ganj auch einige Klöster gibt. Mancher Urlauber, der nur ein paar Tage bleiben wollte, blieben Wochen und sogar Monate.
Mc Leod Ganj ist wirklich ein friedvoller Ort und hat mit dem hektischen Indien nicht viel gemeinsam.
Wir haben im Drepung Loseling Guest House gewohnt, das von Mönchen geleitet wird. Wir hatten dort ein kleines sauberes Zimmer mit Bad und einer großen Dachterrasse.  In Mc Leod Ganj sind wir spät nachmittags angekommen und hatten von der Umgebung noch nicht viel gesehen. Als wir am Morgen unsere Zimmertür zur Dachterrasse öffneten, hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf die scheinbar zum  Anfassen nahe liegenden schneebedeckten Berge. Eine wundervolle Aussicht. Die Umgebung haben wir in den folgenden Tagen erwandert und uns das Namgyal Kloster angeschaut. Daneben liegt gleich die stark bewachte Residenz des Dalai Lamas. Leider war der Dalai Lama nicht zu Hause, sondern lag nach einem Schwächeanfall in Bombay im Krankenhaus. Auch an der Pooja in Bodhgaya konnte er aufgrund seiner Krankheit nicht teilnehmen. In einem Rhododendronwald liegt unterhalb Mc Leod Ganj das Tse-Chok- Ling- Kloster. Auch gibt es ein tantrisches Kloster mit Namen Ngakpa Gompa. Außerdem haben wir noch eine Teppichfabrik, ein Museum mit dem einzigen außerhalb Tibets befindlichen Holz-Mandala und das TCV besucht. TCV ist die Abkürzung für Tibet Children Village. Im TCV wohnen die Kinder, die aus Tibet über die hohen Berge nach Indien geflüchtet sind und hier ein Zuhause gefunden haben.

       Butterbilder im Tempel 

   Sandmandala

    Gebetsmühlen 

Die Erdnüsse
Mit einer Tüte Erdnüsse bewaffnet haben wir uns auf dem Weg in die wunderschöne Umgebung gemacht. Da Irmgard immer den größeren Hunger hat, hielt sie auch die Erdnusstüte in der Hand. Ich habe mir lediglich einige Erdnüsse in die Jackentasche gesteckt. Als wir durch einen dichten Wald gingen erspähte uns eine Affenfamilie und ruckzuck war Irmgard mit ihrer Erdnusstüte von den Affen umzingelt. Verscheuchen half nicht. Auf einmal wurde Irmgard von einem Riesenaffen angesprungen und  die Tütewar futsch. Ich hörte nur noch einen lauten Schrei, da ich schon einige Meter vorausgegangen war. Den Schrecken konnte man Irmgard noch lange ansehen.
Sollte es für heute genug gewesen sein?Zurück ging's über eine grüne Wiese mit etlichen Enten und Gänsen darauf. Und siehe da: eine Gans kam herangewatschelt  und zwickte Irmgard ins Bein. Wer's verdient hat, der hat es  auch verdient
.

Mit dem Bus ging es in mehr als 10 Stunden weiter nach Manali in Himachal Pradesh.
Manali ist eine sogenannte Hill Station, wo sich die hitzegeplagten Engländer früher erholt haben.
Manali ist der Ausgangspunkt, um über die zweithöchste Passstraße der Welt (über 4500 m) 
nach Leh zu gelangen.
Manali hat den sehr schönen Hadimba-Devi-Tempel, der inmitten eines Pinienwaldes liegt. Außerdem gibt es dort noch einen tibetischen Tempel mit Namen Gadhan Thekchokling Gompa. Nördlich von Manali liegt Old Manali. Dort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Vor einer gewaltigen Gebirgskette des Himalaya liegt dieser Ort mit seinen zum Teil recht schönen alten Holzhäusern. Ein weiterer Ort in der Nähe von Manali ist Vaishisht. Dort gibt es im Dorfkern ein Badehaus, welches mit einer heißen Sulfatquelle gespeist wird. Nach einer langen Wanderung bewirkt so ein Bad wahre Wunder.
 
Trotz der schönen Umgebung waren wir froh, dass es weiterging, denn in Manali war es sehr kalt und ein beheizter Raum war nirgendwo in  Sicht. Lediglich ein tibetisches Restaurant konnte mit einem Holzofen aufwarten. Die Speisen im Restaurant waren allerdings sehr teuer.

Ausläufer des Himalayas

Auf dem Weg nach Manali


Und weiter ging es. Eine Mördertour war angesagt. Von Manali nach Rishikesh.
Gesamtfahrzeit 15 Stunden.

Zunächst ging es mit dem Bus über Chandigarh nach Haridwar und dann weiter nach Rishikesh.
Dort, an den Ausläufern des Himalaya, war es schon spürbar wärmer und wir genossen die warmen Sonnenstrahlen an diesem schönen, friedvollen und spirituellen Ort, der am heiligen Ganges liegt. Da Rishikesh ein heiliger Ort ist, gibt es hier natürlich keinen Alkohol und kein Fleisch. Rishikesh ist ein Ort mit vielen Gurus, Sadhus, Ashrams und natürlich vielen Ausländern, die in der Vielfalt der östlichen Spiritualität unterrichtet werden möchten. Natürlich ist Rishikesh auch ein Ort des Haschischs und des Marihuanas. 

Viele brauchen es wohl, um das Bewusstsein zu erweitern. Wahrzeichen der Stadt ist die Shivanand Jhula, eine Hängebrücke über dem Ganges.
In Rishikesh haben wir eines Morgens eine riesige Sadhu-Prozession gesehen Auf einem bunt geschmücktem Wagen wurde ein Guru durch die Stadt gefahren und davor liefen einige hundert Sadhus. Das zu sehen war sehr beeindruckend.

In Rishikesh und an den anderen Pilgerorten, wie z. B. Varanasi sagt man nicht hallo, sondern schlicht und einfach Hari Om. Nach so viel Spiritualität und friedvollen Gesichtern haben wir uns nach Delhi aufgemacht, um uns dort mit Zugfahrkarten einzudecken. An anderen Orten ist es manchmal schwierig, das begehrte Ticket zu erlangen, denn die Züge sind oftmals Wochen im voraus ausgebucht und eine Touristenquote gibt es nicht überall.


heilige Männer  -Sadhus-


Kauf einer Zugfahrkarte.

Erzähle ich meinen Freunden, dass ich in Indien eine Zugfahrkarte gekauft habe, so denken sie, dass ich einfach zum Schalter gehe und mir eine Fahrkarte kaufe. Aber so einfach geht das nicht. Anhand eines Beispiels vom Bahnhof in New Delhi erkläre ich das Prozedere.
Der Schalter für Ausländer im Bahnhof von New Delhi befindet sich in der ersten Etage. Geht man durch die große Bahnhofshalle wird man schon von vielen "freundlichen Menschen" angesprochen, die nur eines wollen, nämlich meine Rupees.  Mit so aussagekräftigen Sätzen wie: "You want ticket. Reservation-Office is here. Reservation-Office upstairs is closed. Ticket only at this counter." wollen die Schlepper einen ins Reisebüro schleppen und sahnen dafür kräftig ab. Also nicht beirren lassen und  ab in die erste Etage. Dort gibt es einige Schalter für Touristen, wo man sich schnell eine Fahrkarte ausstellen lassen kann. Aber Eile mit Weile. Zunächst einmal im "Trains at a Glance" (Zugfahrplan) nachschauen, welche Züge überhaupt in Frage kommen. Zuerst einmal muss erst einmal ein Formular ausgefüllt werden. Dann muss der Name des Zuges, die Zugnummer, das Reisedatum, Anzahl der Personen, die Klasse und die Namen der Reisenden mit Alter und Geschlecht eingetragen werden. Außerdem muss noch die Reisepassnummer und die Heimatanschrift eingetragen werden.
Mit diesem Formular stellt man sich jetzt an den richtigen Schalter an. Aber aufgepasst. An einigen Schaltern muss man in US Dollar bezahlen und an anderen in Landeswährung. Hat man sich richtig angestellt,  dauert es nicht lange und schon hat man seine Tickets.
Auch Tickets, die man nicht mehr gebraucht, können gegen eine kleine Gebühr zurückgegeben werden. Wir wollten unsere Tickets, die wir in Rishikesh gekauft haben zurückgeben. Die freundliche Angestellte sagte uns aber, dass das nicht so einfach ginge, denn die Tickets stammten nicht aus einem Touristenkontingent. Die Tickets könnten wir nur am Reservation-Office einige hundert Meter vom Bahnhof entfernt umtauschen. Und das heißt endlose Schlangen und lange Wartezeiten. Wir fragten die Dame nach einer anderen Lösung unseres Problems, denn Indien wäre nicht Indien, wenn es nicht doch noch eine andere Möglichkeit gäbe. Freundlich sagte die Dame am Schalter, dass gegenüber der Chef sitzen würde. Er könne die Zugfahrkarte abzeichnen und danach könne sie uns das Geld auszahlen. Also nix wie hin. Der Chef mit großer Brille sah uns gelangweilt an. Ohne etwas zu sagen zeichnete er die Zugfahrkarte ab und wir bekamen am Schalter unser Geld. So geht es auch.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Zug von Delhi nach Gwalior.
Dort haben wir uns ein altes Fort, das auf einem Tafelberg liegt, angeschaut. Während des steilen Aufstiegs durch das Okawahi-Tor sind rechts und links der Straße schöne Jain-Skulpturen in den Fels gehauen, die die Verkörperungen der 14 Furtbereiter des Jainismus darstellen. Die Skulpturen sind zum Teil bis zu 17 m hoch. Ansonsten ist Gwalior eine schmutzige und staubige Stadt mit den aufdringlichsten Rikshaw-Fahrern, die wir bislang kennen gelernt haben. Von Gwalior ging es mit dem Bus nach Jhansi und weiter nach Orchha. Orchha teilt das Schicksal manch anderer Stadt, die sozusagen im Windschatten der großen Sehenswürdigkeiten liegen und deshalb nur äußerst selten von Touristen besucht werden. Orchha ist ein kleines verträumtes mittelalterliches Städtchen mit einigen sehr schönen Palästen. 


Gwalior Fort

Palast in Orchha

Betelverkäufer in Orchha


Ein weiterer Höhepunkt sollte Khajuraho für uns werden. Aber wir waren ein bisschen enttäuscht von dieser Stadt. Eigentlich genügt es wenn man sich die westliche Tempelgruppe anschaut. Die anderen Tempel liegen zwar etwas verstreut, sind aber zu Fuß an einem Vormittag alle zu erreichen. Die westliche Tempelgruppe liegt in einem schönen Park.

Bekannt sind die Tempel wegen der vielen erotischen filigranen Skulpturen, die in Sandstein gemeißelt sind. Um die erotischen Skulpturen an den Außenwänden zu entdecken, muss man schon genau hinschauen. In Khajuraho hatten wir schnell alles abgegrast und es ging weiter mit dem Zug nach Varanasi, wo wir schon vor zwei Jahren waren.


Am Verbrennungsghat

Ausblick auf die einzelnen Ghats

Am Ganges ist immer was los

Varanasi5Morgens um 04:00 h sind wir in Varanasi Junction, einem der drei großen Bahnhöfe Varanasis angekommen. Mit der Fahrradrikshaw haben wir uns zum Dasaswamedh Ghat bringen lassen. Für die 30 minütige Fahrt haben wir 25 Rupees gezahlt. Ein gut ausgehandelter Preis. Am Ghat haben wir auf den Sonnenaufgang gewartet und uns die frommen Pilger angeschaut, die schon morgens im Ganges gebadet haben. Ein frommer Brahmanen-Priester hat uns erst einmal verscheucht, da wir auf seinem angestammten Platz saßen.

Zu Varanasi muß man folgendes wissen.
Was  Jerusalem für Christen  und  Mekka für Moslems, das ist Varanasi für Hindus, die heiligste unter allen Städten.

Jährlich strömen Tausende von Pilgern  in diese uralte Stadt, um beim morgendlichen rituellen Bad von den Sünden befreit zu werden oder durch die Totenverbrennungen an den Ghats den ewigen Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen. Auch wir können uns der unvergleichlichen Atmosphäre der Stadt nicht entziehen.
In dieser Stadt findet man das geballte Indien in konzentrierter Form. Den Tod und  die Wiedergeburt, unbändige Lebensfreude und meditative Versenkung. Hinzukommen die extremen Umweltverschmutzungen, die zum Kollaps des heiligen Ganges führen, überfüllte kleine Altstadtgassen, die durch Tierexkremente stark verschmutzt sind und schöne vergoldete Tempel. 
Auch gibt es entstellte Bettler, leuchtendrot gekleidete Sadhus und natürlich die Frauen  mit ihren schillernden Farben der Saris. Neben brennenden Scheiterhaufen am Ganges wird Wäsche gewaschen und nicht weit davon baden Kinder in seinen Fluten und wieder etwas weiter hocken auf dem Boden die meditierenden Sadhus. Die ganze Vielfalt Indiens ist hier zu beobachten.
Immer wieder schön ist es, an den Ghats entlang zu spazieren und dieses sich täglich wiederholende Spektakel anzusehen. Außerdem standen für uns noch der Vishvanatha Mandir, die Aurangzeb-Moschee, von der man einen herrlichen Blick über die Altstadt hat, der Durga-Tempel und der Tulsi -Manas-Tempel, die Benares-Hindu Universität mit dem hinduistischen Tempel, der für jedermann zugänglich ist, das Museum mit den Bildern von  Nicolas Roehrich, dem Himalayamaler und das Ramnagar Fort auf dem Programm. Nach einigen Tagen Varanasi, die vollgepackt waren mit vielen unverständlichen Eindrücken, hieß es Abschied nehmen und die nächste Stadt Bodhgaya stand auf dem Programm.


Eine Busfahrt, die ist lustig.

In den Bussen ist immer allerhand los. Die begehrtesten Sitze sind immer vorne. Während der Fahrt werden kleine Jungen ans offene Fenster gestellt, die dann während der Fahrt aus dem Bus pinkeln. Andere reißen schnell das Fenster auf, beugen sich über einem hinweg und übergeben sich während der Fahrt. Andere wieder übergeben sich einfach im Bus. Doch dann werden die Passagiere und der Busschaffner sauer. Der Schaffner pfeift auf seiner Pfeife und der Busfahrer hält an. Dann muss derjenige, dem das Missgeschick passiert ist, aus dem Bus. Wenig später kommt er wieder und streut mit ein paar Händen Sand den Boden des Busses ab und schon geht die Fahrt weiter. Ach ja, wo wir einmal beim Übergeben sind. Eine kleiner Junge saß bei seinem Vater auf dem Schoß. Neben ihm saß eine ziemlich wohlhabenden Dame. Zwischen Vater und Dame stand die vollgepackte Tasche der Dame. Während der Fahrt musste sich der kleine Junge übergeben und in seiner großen Not kotzte der auf gut deutsch gesagt einfach in die Tasche der Dame, was sie allerdings wenig lustig fand. Nach zahlreichen Beschimpfungen und wilden Handzeichen kehrte aber nach kurzer Zeit der Frieden wieder ein.


Bodhgaya sollte für uns der Höhepunkt unserer Reise werden.

Zunächst fuhren wir von Varanasi nach Gaya. In Gaya wollten wir uns für die Nacht ein Hotelzimmer suchen, denn von der nächtlichen Weiterfahrt zum 16 km entfernten Bodhgaya wird abgeraten, da es immer wieder nachts zu Überfällen im Staat Bihar kommt. Also haben wir die Hotels abgeklappert und nach einer billigen Unterkunft gesucht. Zum erstenmal auf dieser Reise war es uns nicht möglich, ein Hotelzimmer zu finden und so haben wir  mit mulmigem Gefühl eine Autorikshaw bestiegen und sind durch die menschenleere Nacht mit vollem Tempo nach Bodhgaya gerauscht. Dort mussten wir feststellen, dass der ganze Ort dunkel war und schon alles fest am schlafen war. Mit einiger Mühe konnten wir den Besitzer des Guesthouse OM aufwecken und uns dort einquartieren. Das Guesthouse war eine sehr ordentliche Unterkunft mit einem recht freundlichem Besitzer, der uns sehr umsorgte. Am nächsten Morgen, nach einem sehr leckeren Frühstück, ging es los Bodhgaya zu besichtigen. Nur einige Schritte von unserem Guesthouse entfernt liegt der Mahabodhi Tempel mit dem Bodhi Baum und der 55 m hohen Stupa. Unter diesem Bodhi Baum hat der Buddha die Erleuchtung zum mittleren Weg erlangt. Zuvor hatte er jahrelang in einer Höhle in der Nähe von Bodhgaya gefastet. Die Höhle haben wir natürlich auch besichtigt.Alle bedeutenden buddhistischen Nationen haben in und um Bodhgaya ihre Klöster und Tempel im jeweiligen Landesstil errichtet und so findet man hier die Tempel von Myanmar  bis Sri-Lanka, die allesamt schöne Fotomotive bilden. 


Der  Mahabodhi Tempel

Om mani padme hum


Nochmals standen 10 Stunden Eisenbahnfahrt auf dem Programm, um nach Kalkutta zu gelangen. Kalkutta sollte die letzte Station unserer diesjährigen Reise sein, bevor es mit dem Rajdhani Express ihn 17 Stunden nach Delhi zurückging und von dort mit dem Flugzeug über Dubai nach Düsseldorf.
Über Kalkutta hört man nichts Gutes. Es soll schmutzig, überbevölkert und eine dahinsterbende Stadt sein. Mit Delhi gehört Kalkutta zu den sieben Städten der Welt mit der höchsten Luftverschmutzung. Ein Tag in Kalkutta ist so, als wenn man 17 Zigaretten rauchen würde.
Kalkutta ist aber auch lebenslustig und viele sagen, was heute in Kalkutta gedacht wird, wird morgen im übrigen Indien getan. In Kalkutta gibt es auch noch Rikshaws, die mit purer Menschenkraft gezogen werden. Alles dies hatten wir von Kalkutta gehört und um noch eines drauf zu setzen ein Zitat von Günter Grass: "Warum nicht ein Gedicht über einen Haufen Scheiße schreiben, wie Gott in fallen ließ und Kalkutta nannte. Wie es wimmelt stinkt und lebt und immer mehr wird.” Also, wir waren vorgewarnt.
Unser erster Eindruck am Bahnhof in Howrah war gut. Kalkutta eine ganz normale Großstadt mit dem Hang zur Sauberkeit neigend, oder waren wir schon so an Indien gewöhnt, dass wir den Schmutz  gar nicht mehr sahen? Wir wissen es nicht. Vom Bahnhof ging es mit der Fähre an der Howrah-Brücke vorbei zur gegenüberliegenden Seite und zu Fuß weiter zur Sudderstreet, wo es die begehrten Billigunterkünfte für Traveller gibt. Im Hotel Hilson haben wir uns einquartiert. Ein großes Zimmer mit hohen Decken und ein Bad standen zur Verfügung. Die Fenster waren ohne Glas aber mit Holzblenden ausgestattet. Aus dem Kran im Badezimmer kam dunkelbraunes Wasser und von der Decke rieselte der Kalk  und unsere Schlafsäcke waren immer weiß davon. Außerdem nistete ein kleiner Vogel über dem Schrank, so dass wir nicht alleine waren. Eigentlich wollten wir nur eine Nacht hier bleiben, aber es wurden drei. Wir fanden das Zimmer gar nicht so schlecht. Sollten wir wirklich schon den Blick für die Realität verloren haben?
Kalkutta!
Kalkutta besitzt als einzige Stadt in Indien eine U-Bahn, die Fahrt für 5 Rupees, und so ist es leicht, alle Sehenswürdigkeiten zu erreichen. 
Zunächst haben wir uns das prächtige Victoria Memorial angeschaut. Dann stand der blutrünstige Kali-Tempel auf dem Programm, wo viele Blutopfer dargebracht werden. Der Platz BBD Bagh mit den vielen kolonialen Bauten ist sehr interessant.
Außerdem standen noch die St. Paul's Cathedral, die Friedhöfe an der Park Street, die Howrah-Brücke und das Ordenshaus von Mutter Teresa auf dem Programm.

Straßenszenen in Kalkutta

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Ein fast verlängerter Urlaub!

Besuchszeiten im Ordenshaus von 15:00 - 18:00 h. Wir waren um 14:45 h an der Pforte, wo schon einige andere Traveller warteten.

Punkt 15:00 h läutete es und die Pforte wurde geöffnet. Eine Schwester begrüßte uns und sagte, dass wir zunächst in die Kapelle gehen sollten und uns dort das Grab der Mutter Teresa anschauen sollten. Danach bekamen wir ein Heiligenbildchen und eine Plakette. Anschließend ging es ins Büro, wo wir kaum einen Platz fanden, so viele Besucher waren dort. Im Büro wurden wir aufgefordert ein Formular auszufüllen. Unter anderem sollten wir aufschreiben, wie lange wir bleiben wollten. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, um mal nachzufragen und wir bekamen die Antwort. " Wollen Sie hier nicht für einige Zeit arbeiten?" Wir verneinten und ließen durchblicken, dass wir uns nur das Ordenshaus anschauen wollten. Auch das war kein Problem. Wir bekamen Fotoalben vorgelegt und erhielten die Möglichkeit ein Kinderheim zu besuchen.

Alle Achtung vor denjenigen, die einige Zeit hier arbeiten. Freiwillig kann man im Sterbehospiz, im Kinderheim, im Heim für Behinderte, in der Schule oder außerhalb Kalkuttas in der Lepra Station arbeiten.
Eine gute Kondition und Ausdauer gehören schon dazu.

Auch diese Reise wird uns lange in Erinnerung bleiben und wir werden von den gewonnenen Eindrücken lange zehren. Wir können uns glücklich schätzen,  dass wir auf der Sonnenseite unseres Planeten leben. Hoffentlich hat es Spaß gemacht, diesen Bericht zu lesen. Vielleicht kam ein  wenig Fernweh auf. 

Irmgard und Hans-Jürgen